Vierwöchige Trekkingreise durch den Himalaya in Nepal – Landschaft, Alltag und Begegnungen
Land der Berge, Land am Strome… Natürlich ist Österreich für mich fest mit Bergsport und den Alpen verknüpft aber wohin reist man, wenn einem die heimischen Gipfel nicht mehr ausreichen?
Als Bergsportler, Fotograf bei Skinfit und selbstständiger Event- und Astrofotograf in Vorarlberg war es für mich wieder einmal an der Zeit, meine Grenzen zu verschieben. Nach früheren Fotoreportagen im Irak und Syrien habe ich mich 2024 für eine etwas weniger riskante aber dennoch abenteuerliche Reise nach Nepal entschieden – um einen Sechstausender zu besteigen – klingt doch gemütlicher, oder?

Iniitiert wurde die Reise durch meine Cousine Angela, Mitglied der Alpinpolizei und Bergrettung. Ganz spontan und abenteuerlustig schloss sich noch Kollegin Hannah unserem Trek an – eine in Kathmandu tätige Ärztin aus Dornbirn, die wir erst eine Woche vor der Tour kennenlernten. Aller guten Dinge sind drei und so nahm das Projekt im Oktober 2024 finale Gestalt an. Für uns alle stellten die Berge schon immer eine zweite Heimat dar. Es ist zumindest für mich die erste Berg(hoch)tour dieser Art und während sich Angela Steigeisen usw. schon länger gewohnt ist, rätsle ich, wie ich das Gewicht meiner Kamera samt Objektiven auf 6000 Metern herumschleppe. Glücklicherweise war das Wetter während des gesamten Treks fast schon frühlingshaft, die meisten Meter konnten ärmellos im Tanktop zurückgelegt werden.

Etappe 1: Kathmandu - Lukla - Phakding | Aufstieg 200 hm, 8,4 km

Bereits 5 Stunden nach der Landung in der Hauptstadt Kathmandu werden wir von unserem nervösen Sherpa-Guide aus den Federn geworfen. Das Zeitfenster für eine Landung auf der gefährlichsten Landebahn der Welt schließt sich bald wetterbedingt - wir werden deshalb kurzfristig mit dem Heli in das erste höher gelegene Dorf "Lukla" (2860m – das „Tor“ zum Everest) geflogen. Von dort aus beginnt eine 2,5-wöchige Trekkingreise durch den Himalaya, mit dem Ziel der Besteigung des Lobuche East Peak (6119m) in direkter Nachbarschaft des Mt. Everest.
Die erste Etappe nach Phakding (2610m) startet gemütlich, wir erhaschen erste Blicke auf die naturbezogene und herzliche Lebensweise der nepalesischen Dorfbewohner und Sherpas. Während die (noch!) 6000er Berggipfel stets über einem wachen, gehören spontanes Teetrinken mit tibetanischen Mönchen aber langsam auch das Gewöhnen an die Höhe für uns zum Alltag. Eines sei gesagt: es ist kein Wunder, dass man beim Anblick dieser Landschaften und Berge spirituell wird.
Schnell fühlen wir uns dank der Herzlichkeit und Selbstlosigkeit der Nepali wohler als daheim. Auch wenn in den niedrigeren Höhen noch an vielen Ecken Touristen lauern, spürt man, dass der Tatendrang der Einwohner nicht von Geldgier getrieben, sondern fest in ihrer Mentalität verankert ist. Man kann von den Menschen hier unzähliges über Zufriedenheit und Glück durch eine dankbarere und einfachere Lebensweise lernen.

Etappe 2: Phakding - Namche Bazar | Aufstieg 1120 hm, 11,1 km

Die zweite Etappe nach Namche Bazar (3440m) führt über abenteuerliche Hängebrücken, die 200m tiefe Schluchten überspannen, durch niedliche Dörfer und Flusstäler, die an Szenen aus King Kong erinnern. Während die Vegetation noch eher der in den Alpen gleicht, wirkt das Bevölkern der Täler und die Logistik dahinter wie eine Meisterleistung. Wer dabei unbedingt erwähnt werden sollte: Die Träger der Sherpas, die auch unser zusätzliches Gepäck während des gesamten Treks tragen. Ohne sie wäre dieses Vorhaben für uns unmöglich. Der scherzhafte Versuch, kurz die Last selbst zu übernehmen endet nach 10 Höhenmetern in Atemnot - wir übergeben schnell wieder an den Meister, der in zügigem Gange davon sprintet. Ein geübter Träger kann bis zu 90kg auf seinen Rücken packen - von der Kanalisation bis zum Parkettboden wird so manches über die Höhenwege tief in die Berge manövriert. Während ich mir, schnaufend und auf den Weg fokussiert diese Zeilen ausdenke, sprintet ein lächelnder Träger in seinen Sandalen an mir vorbei - mit unzähligen Ziegelsteinen auf dem Rücken.
Angekommen in Namche endet die Etappe mit einem Volleyballspiel auf 3500 Metern und lokaler Kulinarik in der Lodge. Wir werden hier zwei Tage verbringen, um uns langsam an die Höhe zu gewöhnen. Dabei wird nichts überstürzt: 800 bis 1000 Höhenmeter pro Tag im Schneckentempo sind uns derzeit zumutbar.
Etappe 3: Namche Bazar - Khumjung | Aufstieg 750 hm, 8,1 km

Am dritten Tag steht eine Akklimatisierungswanderung an, um uns erstmals an die 4000m-Marke heranzutasten. Unser Guide Yangda Sherpa, 33, der übrigens saisonsweise in Lech/Vorarlberg arbeitet, geht in ausgelatschten Turnschuhen und mit seinem Nike-Rucksäckchen voran. Auf eines ist immer Verlass: Die Gelassenheit und die innere Ruhe, die er mit sich bringt und die einen stets wieder erdet.
Während sich ständig surreale Eindrücke in meine Netzhaut brennen, ragen langsam die Gesichter der ersten 8000er hinter der goldbraunen Hügellandschaft hervor. Es ist fast beschämend, die Natur hier nur mit Worten zu beschreiben, auch meine Fotos können die Eindrücke niemals widerspiegeln. Die tief schnee- und eisbedeckten Berge bilden den Horizont in ungewohnter Höhe, das Hinaufstarren führt fast zu Nackenschmerzen, doch das nehme ich gerne in Kauf. Nach unten reichen die Täler und Schluchten genau so weit in furchterregende Tiefen. ​​​​​​​
Jeder einzelne der Berge scheint eine unglaubliche Macht zu besitzen, monumental und unveränderbar. Dann, fast unerwartet, sehen wir ihn zum ersten Mal aus der Ferne: Der Mt. Everest mit seinen stolzen 8848m Metern. Jedoch scheint Größe nicht alles zu sein: mit seinen "nur" 6814m zieht der Ama Dablam meinen Blick viel eher an und stiehlt jedem anderen Gipfel die Show. Nicht umsonst wird er das „Matterhorn Nepals“ genannt.
In Khumjung, das sich auf 3790m auf einer weiten Ebene einnistet, erfahren wir das Dorfleben nicht wie bisher im Vorbeigehen, sondern noch authentischer, fast zum schmunzeln: die Hausmauern werden mit den Fäkalien der Yaks beklebt, um diese in der Sonne fladenförmig zu trocknen und zu Brennmaterial zu verarbeiten. Wir besuchen ein 330 Jahre altes Kloster, das angeblich den Schädel DES Yeti beherbergt und setzen den Weg fort, vorbei an Stupas und grasenden Yaks...
Etappe 4: Namche Bazar - Dole - Machermo - Gokyo | Aufstieg 2100 hm, 24,7 km

Die Achttausender sind bald schon zum Greifen nah. Wir wandern durch bunte Hügellandschaften, bestückt mit monumentalen Felsbrocken, türkisblaue Wildbäche fressen sich durch ockerbraune Täler. Die Farbpalette reicht von goldbraun, rubin bis eisblau, die Gerüche sind vielfältig und erinnern an einen orientalischen Gewürzmarkt. Unser Sherpaträger zeigt sich gelassen und motivierend zugleich.
Wir lassen uns in den ersten abgelegeneren Lodges nieder, weg von den Massen, wo das Versammeln um den mit "Yak-Shit" betriebenen Ofen zum Abendritual und die Kälte langsam allgegenwärtig wird. Man lenkt sich ab mit Lebensgeschichten und Erzählungen darüber, was einen hier her brachte. Man trifft Polen, Russen, Amerikaner, in der Schweiz wohnhafte Nepalesen, 60-jährige Französinnen, die einen 6000er besteigen wollen, sogar ein paar Vorarlberger - die Wirtin der Alpenrose Ebnit - und solche, die einfach schon immer hier waren und auch keinen Grund haben, dies zu ändern...
Nach zwei Tagen erreichen wir die Siedlung Gokyo, die am größten Eisstrom Nepals liegt. Um uns zu akklimatisieren, besteigen wir den benachbarten Gokyo Ri, der erste Fünftausender mit 5357m, von dem aus fünf Achttausender im Gipfelpanorama sichtbar sind. Es wird spannend: bald folgt die Überquerung des längsten Gletschers des Himalaya und des Cho La Passes mit 5420m.
Etappe 5: Gokyo - Ngozumpa Glacier - Dragnag | Aufstieg 300 hm, 3,82 km
Vom letzten halbwegs zivilisierten Ort Gokyo marschierend, kreuzen wir den längsten Gletscher des Himalaya (36km), der unter dem sechsthöchsten Gipfel der Welt "Cho Oyu" (8188m) entspringt. Der Weg darüber verändert sich von Jahr zu Jahr. Von oben betrachtet ist das Eisgeschiebe deutlich zu erkennen, mittendrinn stehend glaubt man, am leblosesten Ort jemals zu sein.
Toteis und Geröll dominieren die Landschaft und die Gletscherzunge scheint hier das einzige "Lebewesen" weit und breit zu sein. Auch wenn Farbigkeit bis auf das selten funkelnde Türkis des Eises ausbleiben, findet sich in der Kargheit eine gewisse Ästhetik wieder. Manchmal drücke ich den Auslöser der Kamera schon garnicht mehr, weil ich eine Szene lieber wahrnehme und einer Eisscholle beim Hinunterbrechen zuschaue - ein kurzer Moment der Lebendigkeit. Wovon sich wohl der kleine Schmetterling, der sich auf unserer mitgebrachten Vorarlberger Hirschsalami niedersetzt, ansonsten ernährt? Ein Geier verdunkelt kurz die erbarmungslos herunterbrennenden Sonnenstrahlen und ich frage mich, auf wen oder was er es wohl am meisten abgesehen hat...
Inzwischen fühlt sich das Wandern in dieser Höhe wie in einem Computerspiel an, in dem ich der Hauptcharakter bin und sich mein "Leben" viel zu schnell entlädt. Alle 1000 Höhenmeter scheinen ein "Level" zu sein: jeder Schritt sei gut überlegt, jede Energiereserve richtig eingesetzt. Weiter geht's...
Etappe 6: Cho La Pass Überquerung nach Zonglha | Aufstieg 800hm, 8 km

Die Überquerung des Cho La Passes mit 5420m beginnt um 4:00 Uhr morgens. Er verbindet das von uns bis Gokyo begangene Tal mit dem des Everest Base Camps und stellt die letzte Hürde vor unserem Gipfelaufstieg dar. Nachdem der Schlafmangel durch den Jetlag endlich besiegt wäre, macht er sich nun durch die Höhe bemerkbar. Man wird bei der kleinsten alltäglichen Bewegung daran erinnert, wo man sich gerade befindet: Zähneputzen, sprechen, schlafen, alles ist auf derzeit über 4000m ein Akt.
Die karge Felslandschaft ist im Detail wunderschön. Ein Steinchen scheint exotischer als das andere zu sein und ich würde am liebsten einige als Souvenir einstecken. Doch daran ist nicht zu denken, leider hat mir leichtes Feiber letztens zu schaffen gemacht, die Lunge keucht und Yangda Sherpa hilft mir sogar, den Rucksack mit meinem Kameraequipment zu tragen. Im Tunnelblick setze ich einen Fuß vor den anderen, Raum und Zeit verschwimmen und mein einziges Ziel ist gerade nur die Passhöhe mit 5420m.
Ich glaube zu träumen, als mir fast schwarz vor Augen wird und sich ein Sherpa auf 5300 Höhenmeter eine Zigarette anzündet und genüsslich daran zieht. Unterwegs holen wir doch noch unseren Träger ein, dieser fragt uns verblüfft, wie wir denn so schnell sein können, "Strong Austrians from the mointains!" Es seien nur noch 45 Minuten bis zum höchsten Punkt! Wir sind tatsachlich die ersten von heute, die oben ankommen. Es fließt sogar ein Tränchen, irgendwie kann ich es kaum glauben, aus eigener Kraft am "höchsten Punkt" meines Lebens zu stehen. Es wird umarmt, gratuliert und bei Tee und Tibetan Bread eine Pause eingelegt.
Der Weg hinab führt durch Schneefelder und vom Gletscherfluss zerfressene Sumpflandschaften in die Lodge nach Zonglha. Dort werden an einem rest-day literweise Tee getrunken und die Energiespeicher mit der obligatorischen Kraftmahlzeit Dal Bhat gefüllt. (= Reis mit Linsen und Gemüse/Huhn bis zum umfallen). Auch haben wir unseren Gipfel zum ersten mal in Sichtweite - noch wird darüber gelacht ...
Etappe 7: Zonglha - High Camp - Summit Day | Aufstieg 500hm, 3,5 km​​​​​​​
Im Lobuche High Camp auf 5200 m werden die letzten Vorbereitungen für den Gipfelaufstieg um Mitternacht getroffen. Leider haben mir Fieber und der Schlafmangel der letzten Nächte zu schaffen gemacht und ich beschließe - sehr schweren Herzens - den Gipfel nicht zu besteigen. Ich bleibe im High Camp, jedoch bereue ich die Entscheidung keineswegs. Nervös, bei Eiseskälte und in Gedanken bei meinen Kolleginnen krieche ich mitten in der Nacht aus dem Zelt, um sie beim nächtlichen Aufstieg zu beobachten. Mein Blick wandert hoch zu den schimmernden Schneeflanken, über mir werde ich vom sternenklarsten Nachthimmel, den ich jemals gesehen habe, fast geblendet. Die einzige Lichtverschmutzung erzeugen die Stirnlampen am Berg, die sich langsam hintereinander in Richtung Gipfel bewegen. Es könnte kaum kitschiger sein: während ich zu ihnen hinaufblicke und den Bergsteigern innerlich Glück wünsche, verglüht über ihren Köpfen ein Meteor in der Atmosphäre, den meine Kamera als Teil eines Zeitraffers einfängt.
Nach diesem Erlebnis bin ich niemandem mehr den Gipfelmoment neidisch. Auf manchen Reisen geht es wohl nicht darum, einen Gipfel zu erklimmen, sondern um alles was davor und danach war, alle Erfahrungen und Erkenntnisse, darum, das beste aus einer Situation zu machen – der Weg ist das Ziel. Während mir die Gliedmaßen fast abfrieren, weiß ich auch, dass ich wahrscheinlich nicht das letzte mal hier gestanden habe.
Meine Cousine Angela und Kollegin Hannah besteigen den Lobuche East (6119m) zusammen mit High-Altitude-Guide Pasang Sherpa am 7.11.2024 noch vor Sonnenaufgang. Glückwunsch!
Die Zeit im High Camp war im wahrsten Sinne atemberaubend. Die Wucht der Natur und die Abgeschiedenheit machen süchtig und reinigen den Verstand. Beim letzten Teetrinken vor dem Abstieg aus dem Camp lacht der 67-jährige US-Amerikaner im Bezug auf die US-Wahl: "I don't even know who my new president is.", nachdem er tagelang keinen Internetzugang hatte.
Jeder erzählt seine Geschichte, die ihn auf diesen Berg treibt oder warum man sich hier hoch quält. Ob Unternehmer, Polizist, Lehrer oder Arzt, hier oben sind wir alle gleich, mit dem gleichen Ziel und dem gleichen Willen, und die Naturgewalten lassen uns das spüren. Nur die Sherpas scheinen einem fast immer einen Schritt voraus zu sein. Bis bald!
Etappe 8: High Camp – Pheriche – Namche Bazar – Lukla | Abstieg 2800hm, 45 km
Der Abstieg zurück nach Lukla erfolgt in einem Viertel der Zeit des Aufstiegs. Nur drei Tage bleiben uns noch in der Umgebung der Riesengipfel und der Gesellschaft der Sherpas. Noch einmal werden wir mit beeindruckenden Bergpanoramen belohnt, bevor wir uns in den Trubel der Städte zurückbegeben. Wohl wissend, dass es uns hier oben eingentlich an nichts gefehlt hat…
Wieder in Lukla angekommen, müssen wir uns wohl damit abfinden, dass wir einige Tage wegen der Bewölkung in den Bergen festsitzen. Plötzlich folgt doch der blitzartige Bescheid, sofort zum Flughafen aufzubrechen und wir ergattern die letzte Propellermaschine zurück ins Tal. Es folgt eine 11-stündige Jeepfahrt nach Kathmandu über Schotterpisten und von der Flutkatastrophe weggespülte „Straßen“, die man so absolut nicht bezeichnen kann, auf denen man aber durch Zusammenhalt und Willenskraft der Nepali doch irgendwie verlässlich ans Ziel kommt.
Unsere gesamte Reise hier zu beschreiben würde den Rahmen schnell sprengen. Es folgten ein Besuch des Chitwan Nationalparks an der Indischen Grenze und schlussendlich noch mein Solo-Trek auf 4000 Meter durch abgelegene Dörfer abseits der touristischeren Gegenden.
Die selbstlose und liebevolle Lebensweise und Hilfsbereitschaft der Nepali und die Lehre des Buddhismus inspirieren und zeigen einem, wie wenig man benötigt, um Glücklich zu sein.
Diese Trekkingtouren haben mich gelehrt, mehr aus meinem Körper herauszuholen, als ich selbst für möglich gehalten habe. Die Bekleidung von Skinfit hat uns dabei bestens unterstützt. Ob in der Stadt, unterwegs oder natürlich im Gebirge, durch Multifunktionalität und Verlässlichkeit war auf unsere Sportkleidung stets Verlass.
Etappe 09 – Jeepfahrt nach Kathmandu
Geduld, Zeit und Vertrauen - das sind die Tugenden, um in Nepal von der einen Stadt in die nächste zu gelangen. In den bergigen Regionen Nepals ist die Straßeninfrastuktur oft temporär und in ständiger Gefahr, von Fluten und Erdrutschen weggespült zu werden. So erleben wir die Folgen der Zersörung der Flurkatastrophe im Sommer 2024 hautnah: unsere Jeepfahrt zurück nach Kathmandu führt durch Flussbette und weggespülte Dörfer und dauert 11 Stunden im Schneckentempo.
Zwei Aspekte nehme ich mit: wie wertvoll Vertrauen in seine Mitmenschen oft sein kann und was Autos alles aushalten. Während man in Europa darauf achtet, bloß keinen Randstein zu streifen, nimmt es unser Möchtegern-SUV hier mit knietiefen Schlaglöchern und Baumstämmen auf. Man hat keine Zeit zum Nachdenken – sondern lebt voll und ganz im Moment. Durch Vertrauen in den Zusammenhalt und den Willen der Nepali erreicht man verlässlich sein Ziel.
Mit Nackenweh und und geblendet von Straßenlaternen erwache ich auf dem Rücksitz, weil sich die Fahrt plötzlich ungewöhnlich ruhig anfühlt. Es ist so surreal, wieder inmitten der hektischen Zivilisation der Stadt mit Asphalt unter den Rädern zu sein.
Etappe 10 – Chitwan Nationalpark
Nepal lässt sich geografisch grob in zwei Hauptregionen einteilen: die bergige Himalaya-Region im Norden und die flache, feuchtere Terai-Region im Süden an der Grenze zu Indien. Hier befindet sich der Chitwan Nationalpark, in dem wir drei Tage Jungel- und Safarileben verbringen. Neben offensichtlich spektakulären Sichtungen von Elefanten, Krokodilen, Echsen, baumtötende Würgepflanzen und meterhohen Thermitenbauten ist das Zusammenleben mit diesen Kreaturen gleichzeitig eindrücklich und amüsant: niemals werde ich das Nashorn vergessen, das gemütlich zwischen Autos und Marktständen umherschlendert. Oder die Anweisung unseres Guides, einem Affen niemals in die Augen zu schauen. Die Sichtung eines Tigers auf der Safaritour bleibt uns leider (oder glücklicherweise?) verwehrt.
Etappe 11 – Kori Solo Trek
Auch wenn es unter gleichgesinnten Bergsteigern inspirierend war, möchte ich gegen Ende der Reise noch einmal an meine Grenzen kommen, alleine und ohne viele Hilfsmittel. Ich beende die Reise mit einem Solo-Trek in der Gegend von Pokhara wo Trekkingpfade erst ausgebaut werden und ich keinem einzigen Touristen begegne.
In nur drei Tagen inklusive An- und Abreise möchte ich den Kapuche Glacier Lake erkunden – den tiefst gelegenen Gletschersee - sowie den Kori Peak mit 4000m besteigen. Abseits des Massentourismus im Everest Gebiet wird zwar Ruhe und Authentizität spürbar, allerdings auch, wie sehr ich auf mich alleine gestellt bin. Mit während dem Trek gesammelten Infos und vier verschiedenen Karten wird mir erst klar, dass meine Planung fast umsonst war, denn auch wenn von Übernachtungsmöglichkeiten die Rede ist, weiß ich nie, ob diese noch existieren.
So werde ich in meiner Not von einem gastfreundlichen Bergbewohner mit einer Nudelsuppe in einem Bretterverschlag bekocht und stehe vor der Entscheidung wenige Stunden vor der Dämmerung noch 2000 Höhenmeter zu bewältigen, was in dieser Höhe ein gefährliches Unterfangen sein kann. Den aufmunternden Worten der Einsiedler muss ich fast Folge leisten: „Come on, you got this, you’re like Bear Grylls!“
Ich erreiche im dicken Nebel das kleine Plateau auf dem Kori Peak. Mein erster Versuch, in eine Lodge zu gelangen endet mit der Begegnung mit einem betrunkenen Sherpa, der wohl zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Schlussendlich gelange ich doch in eine beheizte Stube, in der sich mehrere Sherpa um die Feuerstelle sammeln und ich kann mich sogar auf schweizerdeutsch verständigen. Wie kann man sich - so weit weg von zu Hause – so daheim fühlen?
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